Stage 14
Villeneuve - Narbonnes
113.6 Kilometer; 5:40:45 Stunden

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)    WB01345_.gif (616 Byte)

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

...wobei der schwer erkämpfte Schlaf aber nicht ewig dauern sollte. Kurz nach sieben Uhr morgens, Frank und ich waren gerade erst aufgewacht, passierte das, was eigentlich 14houseinthemorning.jpg (10821 Byte)durch ein frühes Aufbrechen verhindert werden sollte. Arbeitswillig und wesentlich wacher als wir stand der Hausbesitzer vor seinem Häusschen und musste verdutzt feststellen, dass er nicht als erster in seinem Haus übernachten würde. Wir packten unsere Sachen und suchten das Weite. Hauptsache keiner würde uns nachher für die nachts am Nachbarhaus abgetragenen Steine verantwortlich machen. Allerdings wären wir als Radfahrer wohl auch kaum Hauptverdächtige...

...trotz aller Müdigkeit fuhr es sich dann aber ziemlich gut und noch vor acht Uhr, also eine Stunde vor der normalen Weckzeit, waren die ersten zwanzig Kilometer absolviert. Ganz nebenbei hatten wir auch nach etwa 1450 Kilometern endlich das Mittelmeer14themedsea.jpg (13118 Byte) erreicht. Die treffenderweise salzigere Luft regte die Nase und alle anderen verschlafenen Sinnesorgane an, als Belohnung gab es auch noch einen recht netten Sonnenaufgang am Meer.

Nach einem recht exquisiten Frühstück am Strand machten wir uns dann weiter auf in Richtung unseres Etappenzieles Narbonne, eine Fahrt, die aber bedingt durch die letzte Nacht zunehmend schwerer wurde. Das Traumradwetter vom Vortag hatte sich auch leider verabschiedet und Wolken gab es sehr zur Freude aller anderen Touristen in der Region kaum am Himmel. Das wir zudem trotz des südlichen Wetters ohne Mittagspause fahren wollten, lag daran, dass wir unser Hoteldisaster vom Vortag 14amorningonthebeach.jpg (42405 Byte)nicht unbedingt wiederholen wollten, so lustig es auch war.

Nach etwa 45 Kilometern, mein Hirn hatte noch Probleme zu verarbeiten, dass wir seit fast zwanzig Kilometern an einem Sandstrand entlangrollten, der soweit das Auge reichte von bescheuerten Campingmobilen beparkt war, juckte Frank dann doch das kühle Nass zu unserer linken und wir pausierten ein wenig.

Ich döste im Schatten des Wohnmobiles eines bierbäuchigen Campers, Frank paddelte in den Wellen und mir wurde erst richtig bewusst, wie bescheuert Camper doch sein müssen. Das ganze Jahr über wurden in unzähligen Garagen Frankreichs tausende von Wohnmobilen für das Schaustehen am Strand hergerichtet. Herrchen und Frauchen lassen sich dann den ganzen Tag die Sonne aufs Fell braten, abends wird dann noch wie von mir gestern beobachtet gut auf dem Campingplatz herumgepöbelt und am nächsten Morgen rollt man wieder zu frühester Stunde an den Strand um auch einen der wertvollen Parkplätze direkt entlang des Strandes zu ergattern. Bevor ich Camper werde, möchte ich erschossen werden . Die seelischen Grausamkeiten solcher Familienurlaube resultieren auch zwangsweise in Steine-werfenden Kindern. So ein Elend, ein kilometerlanges Elend vor dem noch mehr Elend in Milliarden an Wohnmobilen auf Parkplatzsuche die Strauße rauf und runter gurkt, sollte verboten werden...(wenn der Strand wenigstens schön wäre, aber nein, eine Straße, ein wenig Sand und dann das Meer, sonst nix außer Wohnmobilen von hier bis an das Ende der Welt und zurück, wie bescheuert sind diese Leute????)

14goddamncampers.jpg (25364 Byte)

Nun ja, nachdem wir den Strand und die Camper verlassen hatten folgte ein Höllenritt durchs Inland bei schon weit mehr als dreißig Grad im Schatten. Einunddreißig Grad war es an einem Therometer um 12 Uhr gewesen, mittlerweile waren die fünfunddreißig sicher erreicht. Todmüde schob man sich voran, hügelig wurde es auch und die von Frank auf 80 Kilometer getippte Etappe wurde zu 100. Und Hotels?

Das Vortagsszenario schien sich zu wiederholen. Wir fragten zwar brav in mehr als 10 14meonbike.jpg (11809 Byte)Hotels, hatten aber gleichzeitig schon wieder ein offenes Auge für einladende Baustellen. Und dann geschah das Wunder: Gerade als wir uns unserem Schicksal einer weiteren Nacht unter freiem Himmel ergeben hatten, erspähte ich bei der Ausfahrt aus Narbonnes noch ein letztes Hotel, steuerte es an (Frank hatte schon alle Hoffnung aufgegeben und wartete auf der weiterführenden Straße) und fand ein Zimmer. Zwar hatte ich noch die Worte der Touristeninformation im Kopf, bei der wir zwanzig Kilometer vor Narbonnes angehalten hatten und wo es nur hieß "the whole country is full at this time of the year", aber manchmal muss man wohl auch Glück haben.

Und anstelle auf einem selbstgebauten Bett in einer Bauruine liegt Frank jetzt im Hotel im Bett und liest ein wenig und ich sitze vor meinen Fajitas im Buffalo Grill (Wobei ich nie verstehen werde, weshalb man meistens in Restaurants nur 3-4 Tortillas zu den Fajitas bekommt, die nicht einmal theoretisch für die vor einem liegenden Füllungennarbonnebuffalogrilrechnng.jpg (14403 Byte) reichen. Zumindest gab es ohne Aufpreis Nachschub, was man aber leider auch oftmals anders erlebt (durfte z.B. bei 14-Euro-Tortillas schon mal dafür nachzahlen, ein Skandal! Das Restaurant war übrigens der Mexikaner am Attersee in Osnabrück und das hier ist eine Boykottaufforderung!)). Ein gutes Essen musste auch einmal wieder sein und in direkter Hotelnähe sprang mir der Grill halt einfach ins Auge. Das Essen ist zwar noch nicht da, deswegen wird auch noch ein wenig weitergeschrieben, aber der Tag ist auf jeden Fall gerettet. Ein richtiges Bett wird auf jeden Fall nicht schaden. Frank meinte auch, dass er in der letzten Nacht fast keine Minute geschlafen hat, und da er auch erstmals weniger als zwanzig km/h im Scnitt fuhr, scheint die Aussage wahr zu sein. Ich weiß es nicht, ich schlief eigentlich recht gut und war somit nicht in der Lage, eine live-Verifizierung vorzunehmen...

Bleibt nur noch die Frage wo wir morgen übernachten. Außer dem nahenden aber noch nicht erreichten Ferienende der Franzosen fällt mir kein Grund ein, weshalb es südlich von hier besser sein sollte als in den letzten beiden Tagen. Vielleicht droht ja doch noch eine Nacht auf Beton, unter einem Baum oder auf dem Rad...

Laufende Schachbilanz:         Bernt vs Frank     2:14:1