| Stage 10 |
| Saint Vallier - Montelimar |
| 85.2 Kilometer; 3:40:08 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Es gibt Sachen, die sollte man trotz besseren Wissens gar nicht erst aussprechen.
Zum Beispiel, dass wir als die
einzigen beiden
Gäste des Hotels beim Frühstück nicht ewig nachordern können werden, was allerdings
nach der ersten Nahrungslieferung mit 2 Stücken Baguette und 2 Croissants dringend
notwendig gewesen wäre. Man sollte dann wenn die genervt guckende Besitzerin des Hotels
das erste Mal nachliefert auch gar nicht erst laut denken, dass sie bestimmt nur mit 2
Stücken Baguette kommen wird, ebenfalls sollte man vor der Abfahrt auch nicht sagen, dass
bei Frank heute eigentlich wieder eine Speiche brechen müsste.
Nach 25 Kilometern und dem mageren Frühstück war es dann soweit, dass die Speiche hinüber war. 5:0 stand es somit in Speichenbrüchen für Franks Hinterrad gegen mein Fahrrad. Frank sitzt mir gerade ziemlich genervt in einer Pizzeria in Valence gegenüber und erzählt, dass es zwar beim ersten Mal ein Erfolgsgefühl gewesen wäre, eine Speiche selber repariert zu haben, mittlerweile die ganze Prozedur aber arg nervig wird.
Im Moment (ca. 12:30) warten wir erst einmal darauf, dass der offensichtlich einzige Fahrradladen der Stadt um 14:00 wieder aufmacht. Besorgniserregenderweise standen wir schon um 12:20 vor verschlossenen Türen, und das obwohl man eigentlich von 9-12:30 und von 14-18 Uhr geöffnet haben müsste. Bestimmt handelt es sich nur um den Fall einer verfrühten Mittagspause...
Zumindest ist die Pizza hier besser als noch gestern Abend, wobei mir gerade noch einfällt, dass meine 24-Gramm-Pizza laut Speisekarte für 3-4 Personen gedacht war. Demnach reicht die Pizza hier für halb Uganda...
2. Eintrag des Tages:
"Das macht doch alles keinen Spaß mehr; und wenn hier was kaputt ist wartet
man 4 Monate bis mal wieder geöffnet ist oder was?", Frank hat es heute nachmittag
psychisch kräftig erwischt nachdem der Fahrradladen nicht
um 14:00 aufmachte
und wir noch in einem Einkaufszentrum in einem Sportladen waren wo es natürlich keine
passenden Hinterräder zu kaufen gab. Dort verwies man uns dann aber zu einem größeren
Fahrradladen ein paar Kilometer außerhalb der Stadt und zum Glück auch auf unserer
Route. Als dieser dann jedoch auch geschlossen war wurde Frank schon fast militant (siehe
eingetretene Scheibe), wobei die Stimmung noch tiefer sackte als wenige Meter weiter an
einer Tankstelle beim Rückwärtsschieben die nächste Speiche brach. Frank saß dies Mal
nicht einmal auf dem Sattel, 6:0... Der Helm flog, der Frust war offensichtlich, wobei ich
die Situation schon fast lustig fand. Wäre es mein Rad gewesen, würde ich es vielleicht
anders sehen, immerhin kamen mir jedoch auch die kreativen Ideen zur Lösung des Problems
(neues Hinterrad per UPS aus Köln anliefern lassen). Außerdem lagen wir ja derweil einen
Tag vor unserem Zeitplan, alles halb so wild...
Letztenendes fuhren wir dann erst
einmal einfach weiter, ein paar Ersatzspeichen waren ja auch noch übrig und von der
nächsten Telefonzelle aus wollte Frank einmal zu Hause anrufen um die UPS- oder
Postidee erfragen lassen.
Wiederum einige Kilometer später fiel auf das einige Ersatzspeichen wohl falsch eingesetzt waren wobei dies eigentlich nur eben behoben werden sollte, dabei natürlich noch aus unerklärlichen Gründen der Schlauch im Hinterrad riss und dann nicht nur die Speichen korrigiert werden mussten sondern auch ein neuer Schlauch zum Einsatz kam.
Irgendwann ging es dann auch weiter, wenn auch mit einem übelst wackelnden
Hinterrad an Franks Vehikel. Bis zum geplanten Etappenziel in Montelimar hielt das Rad
dann aber "bestens" und im Moment sitzen wir im Hotel,
auf BBC läuft Hardtalk
zum Thema Aids in Südafrika und erst einmal ist alles
wieder in
Ordnung. Gleich geht es noch ein wenig zu Fuß durch die Stadt, während wir gerade nett
im Hotel gegessen hatten obwohl uns dies explizit verboten worden war. Wir sagten der
armen Hoteltante einfach, dass die dicken Einkaufstaschen für die morgige Etappe seien,
andererseits war man ja auch so unverschämt und hat uns für die beiden Fahrräder einen
Parkplatz auf die Rechnung gesetzt. Top, und dabei hätte man in den Winkel der Garage wo
unsere Räder stehen nicht einmal einen halben Smart gekriegt...
Hoffentlich klappt es hier morgen irgendwo in dieser Stadt mit einem neuen
Hinterrad, ansonsten kommt wohl doch noch die UPS-Idee ins Spiel, wobei UPS ein neues Rad
innerhalb von 24 Stunden für 160 Mark liefern könnte,
die deutsche Post aber 48 Stunden brauchen und dies mit 200 Mark in
Rechnung stellen würde. Mehr Zeit = mehr Geld, so funktioniert das also in der
Logistikbranche...
Laut Tourismusinformation in Montelimar sei es übrigens ganz normal, dass Fahrradläden am Montag geschlossen seien, verstehe dies wer will. Zumindest war das Wetter heute prima und Wolken gab es eigentlich gar keine. Ein guter Rückenwind sorgte auch dafür das es sich bequemstens fuhr und der Urlaubscharakter des Vortages sich zumindest auf dem Rad fortsetzte.
3. Eintrag des Tages:
Noch ein kleiner Nachtrag zu später Stunde während bei NBC die Banken in
Anbetracht der heutigen Börsennews heulen wie die Schlosshunde. Den Abend widmeten wir 2
Partien Schach im Park von Montelimar, der genau
gegenüber
unseres Hotels, das übrigens Hotel du Parc heißt, liegt. Im gestrigen Saint Vallier, der
Stadt wo der Bürgermeister auch gleichzeitig Sheriff ist, lag das Hotel du Post als
kleiner Kontrast am denkbar weitesten von der Post entfernten Punkt der Stadt, aber da ja
alle Bürger eh verseucht oder tot sind fällt es ja auch keinem auf.
Im Schach ging es heute übrigens 0:1:1 aus wobei Frank sich beim Remis tierisch über meinen Stil aufregte da ich, die unendliche Niederlagenserie satt, erbarmungslos Figuren abtauschte. Aber wenn die Nashville Predators gegen die Dallas Stars spielen erwartet ja auch keiner das sie mit vollem Risiko auf Sieg spielen...
Laufende Schachbilanz: Bernt vs Frank 1:13:1
