| Stage 6 |
| Rothenburg - Igelsbach |
| 85,92 Kilometer; 04:28:41 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„Ich fahre das Ding jetzt so lange weiter, bis es endgültig im Acker ist“; so oder so ähnlich hatte Herbert resolut entschlossen, nachdem die Ursache seiner seit Tagen andauernden Hinterradbeschwerden urplötzlich offensichtlich geworden waren. Schon zwanzig Kilometer in den heutigen, letzten Tourtag hinein fiel ihm die gebrochene Speiche am Hinterrad auf. Nach 56 Kilometern hatte das Knickrad endgültig den Dienst quittiert. Sechs Kilometer zuvor hatte er schon die Hinterradbremse aushängen müssen, drei Kilometer zuvor begann das Hinterrad, an den Rahmen zu schlagen. Schade, so kurz vor dem Schluss aufgeben zu müssen (30 Kilometer bis zum Ziel), aber jegliche Hoffnungen, unterwegs einen offenen Fahrradladen zu finden, wurden vom heutigen Feiertag im Keim erstickt. Nicht ganz zu Unrecht bezeichnete Herbert sich auch noch selbst als Deppen, die Speichen nicht schon gestern einmal in Ruhe abgetastet zu haben – beispielsweise als wir in Rothenburg angekommen an einem eher größeren Radladen nach dem Weg zum Campingplatz fragten und er schon vorher oft das „komische“ Hinterrad benörgelt hatte.
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Glücklicherweise
konnte Herbert seine in Igelsbach urlaubenden Eltern telefonisch erreichen und
sich vom Straßenrand aufgabeln lassen, nicht jedoch, ohne noch von einigen
Saufnasen auf Vatertagstour die Getränkeflaschen mit Gerstensaft gefüllt zu
bekommen. Ich für meinen Teil verzichtete auf den Ersatz meines Leitungswassers
und entschloss mich, die Tour ehrenhaft auf zwei rund laufenden Rädern zu Ende
zu bringen und mit Muskelkraft bis zum Ziel zu kommen, ließ einen Blümchen-sammelnden
Herbert zurück (nachträgliches Muttertagsgeschenk, frisch produziert) und
beendete die sechste Etappe schließlich ganz treffend im Tröpfelregen, der uns
heute schon mehrfach über beglückt hatte.
Symptomatisch für die ganze Tour war es heute sowieso wieder einmal: keine Sonne, viel Regen, furchtbar viel Wind –
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| 30 Kilometer vor dem Ziel: Herberts Hinterrad hat endgültig fertig (siehe Foto rechts). |
wenngleich
auch meistens von hinten. Bitterkalt war es auch, denn mehr als zwölf oder
dreizehn Grad zeigte mein Thermometer am Rad eigentlich nie an, aber was kann
man Ende Mai auch schon erwarten?
Nichtsdestotrotz
möchte ich hier dem allzu schnellen Eindruck entgegenwirken, dass die ganze
Tour suboptimal verlief. Sicher, wir hätten gerne häufiger gecampt, gerne
etwas mehr von Heidelberg gesehen, gerne das neunte Stück nicht mehr gegessen
(ich) und auch gerne den Rhein hinauf nicht ständig nur abartige Gegenwinde
gehabt, aber Spaß hatten wir trotzdem beinahe die ganze Zeit, allen
Widrigkeiten zum Trotz. Wirklich schön war es auch, die ersten drei Tage noch
gemeinsam mit Frank gestrampelt zu haben. Seit der ersten Radtour dieser
Homepage überhaupt (Paris) haben alle größeren Radtouren von Frank und mir
entweder alleine oder zu zweit stattgefunden und es wird verteufelt noch einmal
Zeit, dass wir endlich einmal wieder etwas mehr im Rudel reisen. Von Ingo und
Jonas habe ich seit Ewigkeiten nichts mehr gehört, aber vielleicht werden sich
auch in Zukunft noch weitere Reisen mit diesem Dreiergespann auf dieser Homepage
finden. Wer weiß?
Was bleibt sonst noch? Die überraschende Feststellung, dass Jugendherbergen längst keine Abschiebeheime für lärmende Schulklassen mehr sind, sondern auch ausgesprochen viele ausländische Touristen das hervorragende, deutsche Jugendherbergsnetz nutzen um einigermaßen günstig durch Deutschland zu reisen. Außerdem sind die Frühstücksbuffets durchweg sehr gut. Lediglich einigermaßen „günstig“, ganz nebenbei, denn mit Übernachtungspreisen von bis zu 23,30 Euro in Heidelberg kann man auch Jugendherbergen längst nicht mehr als absolutes Schnäppchen bezeichnen
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| Ratlose Vatertagswanderer: statt Ersatzspeichen gab es zumindest Bier für Herbert... | |
Was
sonst noch bleibt ist ein eher zwiespältiges Bild meiner aktuellen Form. Weit
entfernt von neuseeländischen Topformen zweifele ich etwa fünf Wochen vor der
größten Tour des Jahres und wenig sportlicher Vorbereitungszeit zwischendurch
(Examenssemester, Fußball-WM) daran, wirklich richtig fit für die Tour werden
zu können. Knieprobleme, keine wirklich überragende Fitness: Jürgen Klinsmann
würde mich wahrscheinlich aus der Nationalelf schmeißen und beim Laktat-Test würde
ich durchrasseln aber Frank wird mich Wohl oder Übel über die Alpen prügeln.
Ob es ein Spaß wird oder nicht, soll die Homepage interessierten Lesern
verraten – aber dazu mehr in rund zwei bis drei Monaten an gleicher Stelle…
Ende.
Schluss. Aus.