Stage 4
Heidelberg - Künzelsau
135,81 Kilometer; 06:35:44 Stunden

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)   WB01345_.gif (616 Byte)

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Gerade ist der Rettungshubschrauber knatternd über uns hinweggedonnert, nachdem er höchsten fünfzig Meter von

Die Neckar, die Sonne: alles gut!

hier vom Boden abhab. Was nebenan auf dem Feld, auf dem gerade ein Zirkus sein schäbiges Zelt errichtet, geschah, weiß ich nicht (und bin auch nicht wie die meisten Gäste des Campingplatzes geifernd hingerannt), aber es ist wohl davon auszugehen, dass der- oder diejenige, die gerade über uns hinweggeflogen wurde, davon vor kurzer Zeit auch

noch nichts gewusst hat. Schicksal? Ich zitiere einmal Terry Pratchett’s „Interesting Times“, ohne mich in allzu großen, philosophischen Ergüssen zu verlieren:

“Whatever happens, they say afterwards, it must have been Fate. People are always a little confused about this, as they are in the case of miracles. When someone is saved from certain death by a strange concatenation of circumstances, they say that's a miracle. But of course if someone is killed by a freak chain of events : the oil just spilled there, the safety fence just broke there : that must also be a miracle. Just because its not nice doesn`t mean its not miraculous.”

Campingplatz? Genau – endlich einmal waren die Wetter-Osamas auf unserer Seite, was Herbert schlicht darauf zurückführt, dass Frank nicht mehr mit uns reist. Ob es an Frank liegt oder nicht: die Sonne schien beinahe den ganzen Tag, Herbert hat einen ordentlichen Sonnenbrand, wir genießen momentan einen beinahe schon lauschig warmen Abend auf dem Campingplatz, haben fürstlich draußen gespeist, nachdem ich säckeweise Futter vom Supermarkt zum Richtfest herankarrte, während Herbert sein neues, ultraleichtes (und ultrateures) Zelt feierlich errichtete und es geht uns gut.

Ausnahmsweise kam auch alles viel besser, als vom pessimistisch angehauchten Wetterbericht prognostiziert. Früh am Morgen in Heidelberg – beim wenig genussvollen Früststücksbuffet („scheiße, das beste Buffet der Tour und ich habe keinen Hunger“; Herbert, noch gut gesättigt von Pizza Hut am Vorabend) – las ich in der Zeitung, dass bestenfalls mit einigen sonnigen Abschnitten an einem prinzipiell wolkenverhangenen Tag zu rechnen sei. Wolkenverhangen fing der Tag jedoch höchstens an, besserte sich kontinuierlich und beschert uns nun endlich, worauf wir seit Tagen sehnsüchtig gewartet haben. Neben viel Sonnenschein bekamen wir auch noch viel Rückenwind spendiert, was zweifelsohne der Grund dafür war, weshalb die heutigen 135 Kilometer eigentlich nicht einmal anstrengend waren. Ich war zwar nicht ganz so euphorisch wie Herbert, der nachmittags verkündete, so auch ewig ohne Pause weiterradeln zu können, aber Ermüdungserscheinungen waren bei uns beiden keine zu erkennen, was vielleicht auch an typisch schwäbischen Energiebomben namens „Fleischpflanzerl“ liegen mag – ordentlich fette Bouletten, von denen wir uns nach 65 Kilometern in Mosbach einige reinpfiffen. Rein ernährungswissenschaftlich betrachtet mag so manche Cheezy Crust von Pizza Hut gegen die Fleischpflanzerl noch prächtig abschneiden, aber wer viel Sport treibt, darf auch viel Dreck futtern (Nachtrag im Nachhinein: diese Radtour war die erste Tour, auf der ich trotz rund 600 Kilometern innerhalb von einer Woche sogar marginal zunahm).

Oben links: Anschauungsmaterial, weshalb Schutzbleche Sinn machen. Oben rechts: endlich Camping; gutes Wetter in Künzelsau; Links: erst die erste Flasche, auch wenn es anders aussehen mag...