| Stage 5 |
| La Grave - C. d'Izoard |
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78,38 Kilometer;
04:42:49 Stunden |

Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)
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Etappe
5: |
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La
Grave (1.491m.) - C. d'Izoard (2.360m.) |
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Kategorie: |
Bergankunft |
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Höhenmessung: |
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Länge: |
78,38 |
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rauf: |
2.276 |
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Zeit: |
04:42:49 |
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runter: |
1.479 |
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Speed: |
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Peak: |
2.648 |
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max: |
69,9 |
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Steigung
rauf / runter: |
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average: |
16,6 |
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max: |
15%
/ 14% |
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gefahrene
Pässe: |
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average: |
6% / 6% |
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Col
du Lautaret |
2.058 |
1.018 |
25 |
4,07% |
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Col
du Galibier |
2.646 |
584 |
7,5 |
7,79% |
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Col
d'Izoard |
2.360 |
1.040 |
21 |
4,95% |
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Es ist
16:50 Uhr, und ich liege in 2.360 Metern Höhe im Bett. Nanu? Was ist passiert?
Tja, einer der definitiv schönsten Tourtage überhaupt liegt hinter mir! Am
Morgen hatte es noch nicht mal sooo rosig ausgesehen, Temperaturen um die 10
Grad, Nebel, nicht schön. Beim ausgiebigen beruhigt mich der Hotelier, das würde
schon noch werden. Zunächste machte das Wetter auch kaum Probleme, zwar pflügte
ich mich den Rest zum Lautaret hoch durch dichte Wolken,
aber
als Radfahrer beheizt man sich ja selbst, und mit Rückenwind war das Ganze auch
kein Problem. Das änderte sich schlagartig an der Abzweigung zum Galibier, da
hier wieder Serpentinen angesagt waren. Ab hier wurde die Sache
abwechslungsreich und pendelte zwischen leicht&locker (mit Rückenwind) und
kalt&sauhart (wenn’s von vorne blies). Einziger Trost war die nunmehr
bessere Sicht.
Die
letzten zwei Kilometer zur Passhöhe wurden dann noch mal zur Nagelprobe, da die
Straße unmittelbar hinter dem Henri-Desgranges-Denkmal noch mal auf 12, 13
Prozent abhob. Oben angekommen bietet sich dem Betrachter ein atemberaubendes
Panorama nach allen Seiten hin. Die Nordrampe sah von oben ziemlich giftig aus,
ich empfinde stillen Respekt für die beiden Freiburger, die gestern hier
hochgekommen sein mussten. Davon abgesehen ist hier oben großer Bahnhof,
Motorradfahrer und Cycler geben sich die Klinke in die Hand. Mit zwei, drei
Leuten mache ich ein bisschen Konversation, danach packe ich mich warm für die
Abfahrt ein. Auf den ersten sechs Kilometern drohen dann auch die Hände
permanent am Lenker festzufrieren, so kalt war’s bei uns nicht mal im Februar!
So
klappere ich mich wieder hinunter bis zum Lautaret, die folgende Abfahrt
Richtung Briancon stellt sich als Höchstgeschwindigkeitspiste heraus: Ich
beginne Tempo 60 auf dem Rad als normal zu empfinden. In Serre Chevalier plündere
ich einen Supermarkt (wie immer in Frankreich zu Mondpreisen) und fläze mich an
den Straßenrad. Keine 45 Minuten hinter dem knochenkalten Galibier kann ich bei
30° in der Sonne oben ohne herumliegen, die verschwitzten Klamotten trocknen
derweil auf dem Dach eines Bushäuschens.
Gegen
halb zwei passiere ich Briancon, halte mich gar nicht groß auf und fahre der
vorbildlichen Ausschilderung nach Richtung Col d’Izoard. Noch im Ort selbst
gibt es die erste brutale Steigung, die einen schnell von 1.250 auf 1.450 Meter
bringt. Danach flacht die Straße erst mal ab und führt bei wenig Verkehr zum
1.600 Meter hoch gelegenen
Cervelier. Der Ort erscheint mehr als tot, daher raste ich nur kurz und kaufe
mir eine Orangina, dazu gibt’s einen Müsliregel und ein Energiegel aus dem
Rucksack. So „gedopt“ mache ich mich an die letzten 800hm.
Auf den ersten zwei, drei Kilometern gibt es noch keine Aufreger, ab „Le Laus“ geht’s aber dann voll zur Sache: In steilen Serpentinen erklimmt man den Felsen, die Passhöhe selbst ist bei alledem weder zu sehen noch zu erahnen, der Höhenmesser wird zum besten Freund. Positiv zu vermerken ist der durchgehend exzellente Straßenbelag und der kaum vorhandene Verkehr, landschaftlich kommt aber zunächst nur der Pinienliebhaber auf seine Kosten.
Das ändert sich erst 100hm unter dem eigentlichen Col auf Höhe des Refuges, wo die Bäume zurückweichen und einer Mt.Ventoux-ähnlichen Mondlandschaft Platz machen. Der Wirt des Refuge sammelt bei mir kräftig Punkte, indem er 45€ für Halbpension verlangt, gleichzeitig aber auch auf weitere Hotels ca. neun Kilometer hinter der Passhöhe aufmerksam macht. Ich verspreche, mir die Sache zu überlegen, will aber klarerweise erst mal zum Pass hoch. Der erscheint dann auch drei Kehren später im Blickfeld und bietet hervorragende Aussichten und Fotomöglichkeiten an der „Siegessäule“. Einziger Wehrmutstropfen: Das TdF-Museum hat Anfang September schon geschlossen.
Kurz
bevor ich zum Refuge Napoleon zurückrolle sprechen mich noch zwei
Motorradfahrer an, und obwohl ich dieser Spezies grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe
(kann zum Beispiel nicht verstehen warum sich
diese
Helden „high five“ geben wenn sie mit ihren Reisschüsseln einen Pass
hochgekachelt sind; als ob das ne große Leistung wäre) muss man hier noch
weiter gehen: Einer der Kerle ist eindeutig grenzdebil. Zuerst fragt er sinnig
„bist du Profi?“ (Logisch, die sind immer im September mit einem
acht-Kilo-Rucksack unterwegs von wegen Trainingseffekt), nach Verneinung dann
„nimmst du dafür Urlaub?“ (nö, das 1.500 Euro-Rennrad hat mir das
Sozialamt geschenkt, weisste?). Der andere Lederheini hält schlauerweise gleich
die Klappe, dafür kommt vom Debilen noch die sinnige Aussage man würde „nur
fahren, nichts essen, nichts trinken und nur wenig reden“ – kein Wunder dass
das Hirn da langsam verkümmert. Ich halte den Mist knapp zwei Minuten aus und
drehe dann ab.
Nach Dusche und Abendessen im Refuge werde ich wohl noch mal hier hochschlappen, Fotos machen und so.
Nachtrag:
Bin hier
neben einem älteren Ehepaar der einzige Gast. Abendessen war klasse, Salat mit
Brot, dann
Kalbfleisch mit Maisecken und zum Schluss noch ein Stück Torte. Nach dem
(bombastischen) Sonnenuntergang bin ich noch mal halb zum Pass hoch; außer
Hundegebell war weit und breit kein Laut zu hören – das muss einer der
abgeschiedensten Plätze Europas sein! Aber urgemütlich!
Zum Abendessen waren dann noch fünf ältere Österreicher erschienen, die mir zwei Gläser Rotwein ausgaben – danach gemütliches Radfahrerlatein. Die Truppe ist aber schon längst wieder mit ihrem Transporter entschwunden. Ich fühle mich toll! Mein Körper hat sich spätestens heute endgültig akklimatisiert und funktioniert wie eine geölte Maschine – waschen, essen, fahren, essen, schlafen – ich bin auf die Grundfunktionen reduziert.