Stage 2
N.D. de Bellec. - Celliers
 123,21 Kilometer; 06:41:34 Stunden 

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Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)

Etappe 2:

 

 

 

 

N.D. de Bellec. (1.142m.) - Celliers (1.288m.)

 

 

 

 

Kategorie:

Bergankunft

 

Höhenmessung:

 

Länge:

123,21

 

rauf:

2.828

Zeit:

06:41:34

 

runter:

2.695

Speed:

 

 

Peak:

1.954

max:

64,5

 

Steigung rauf / runter:

 

average:

18,4

 

max:

16% / 17%

gefahrene Pässe:

 

 

average:

6% / 6%

Col des Saises

1.650

733

14,5

5,06%

C. de Roselend

1.967

1.224

19,5

6,28%

Der Tag lässt sich eigentlich in einem Wort beschreiben : persönliche Bestleistung, verdammt nah an den 3.000 hm! Vielleicht doch noch etwas detaillierter: Der Start war gut, es lachte die Sonne, und der Rest des Col de Saisies war zwar recht unspektakulär, aber zum Aufwärmen gerade richtig. Die Abfahrt offenbarte tolle Ausblicke auf den Mont Blanc, der Belag war gut und wir drei rollten entspannt ins Tal. Der Einstieg in den Cormet de Roselend kommt fast nahtlos hinter Beaufort und war anfangs unspektakulär, hinter dem Campingplatz aber ordentlich steil (hier kam das erste Mal das Power-Gel zum Einsatz), Ab 1.600 Metern drehte der Pass aber richtig auf: Zuerst der Blick auf den tiefgrünen Lac de Roselend, ringsherum erheben sich die 3.000er, kristallklare Luft, terrassenartige Felsvorsprünge. Mit 2:1 Stimmen (Bärbel und ich gegen Micha) wird eine halbstündige Rast im sehr empfehlenswerten Cafe am See beschlossen, inkl. toller Aussicht. Die restlichen Kilometer bis zum Kulminationspunkt wären straßenmässig zwar schwer gewesen, zum Glück hatte das Gehirn aber genug mit der überwältigenden Landschaft zu tun, Qual und Schmerz kamen da erst an zweiter Stelle. Am Gipfel trafen wir dann – Überraschung! – zwei weitere Freiburger. Köln war hier klar unterrepräsentiert!

Die folgende Abfahrt mit ihren 20 Kilometern ging durch diverse Serpentinen und verlangt Bremsen und Fahrern technisch einiges ab, gegen Ende schmerzten auch die Hände vom vielen Bremsen ganz schön! Im Ort angekommen schieden sich dann die Wege: Bärbel und Micha wollten weiter zum Iseran, und obwohl ich weitere Gesellschaft auf meiner Reise schon gut gefunden hätte, nein, ich wollte zum Madeleine! Es hieß also Abschied nehmen, mittlerweile war’s auch schon fünf Uhr durch und die Zeit drängte, schließlich wollte ich von dem HC-Pass heute noch zumindest ein kleines Stück abbeißen.

Die Fahrt zum Fuß des Passes ging mehrheitlich bergab, mit 40 km/h rollen war kein Problem, und so konnte ich gegen 18 Uhr meinen Aufstieg beginnen.

Der Hammer! Die ersten 200hm spielen sich fast senkrecht in der Felswand ab, gut nicht wirklich senkrecht, waren ja Serpentinen, aber so fühlte es sich jedenfalls an! Angepeilt war ein Dorf auf 1.010 Metern, dem vorgelagert war noch eine größere Ortschaft, die aber abseits der Route lag. Längst war der zweite Gelpack geschlürft und an der Abzweigung zu eben diesem Dorf dann die bange Frage: Weiterfahren und aufs nächste Hotel spekulieren oder den Umweg in Kauf nehmen? Die Entscheidung nahm mir ein vorbeifahrender Autofahrer ab, der das Vorhandensein einer Herberge im Ort bestätigte, wohingegen die nächsten sechs Kilometer der Straße nichts mehr komme sollte.

Die Würfel waren gefallen, einen Kilometer und 40hm hinter der Abzweigung stand ich dann an der Herberge. Die aber zu war. Eine Etage höher versuchen? Hmmm…Moment, ne offene Türe?....“Allo?“. Ein dunkler Raum, in dessen Hintergrund sich ein verschlafener Kopf erhebt, man erkennt nur Umrisse: Der pennende Herbergsvater! In bestem Schumi-Französisch murmele ich was von „chambre“, er murmelt zurück „auberge ferme“ und legt sich wieder hin. Spärliche Verhandlungsversuche meinerseits bleiben ohne Erfolg, ich erfahre immerhin das es in Celliers ein Hotel geben soll. Sechs Kilometer weiter. 300hm höher. Ich beiße auf die Zähne, flitze zur Hauptstraße zurück (der Tacho zieht mir vorwurfsvoll wieder 40hm ab) und nehme den Kampf auf.

Und es wird hart. Bei 1.100 Metern geht mir endgültig das Wasser aus. 50hm später fängt der linke Oberschenkel mit Krämpfen an, ich pedale mit rechts weiter und massiere mir das linke Bein im Fahren mit der rechten Hand. Muss komisch aussehen, aber es ist ja kein Schwein mehr auf der Straße. Die Sonne ist schon lange weg, langsam wird’s dunkel. Der Schweiß kühlt auf meinen Schultern ab. Mit letzter Kraft schaffe ich es ins Dorf, ich bin kurz vorm totalen Aus. Als ich an der Rezeption nach einem Zimmer frage zittert das linke Bein unkontrolliert. Komisches Gefühl. Aber egal: Das Zimmer hat ein weiches Bett, Heizung, und im Restaurant gibt’s lecker Menu mit Nudeln. Ich bin todmüde und überglücklich. Dieser tag hat mir den Glauben an das Gelingen der Tour wiedergegeben.