Stage 6
Nagold - Sigmaringen 
93,46 Kilometer; 4:37:05 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)

Kurz und schmerzlos: Mission accomplished! Ich sitze hier im Garten der Jugendherberge in Sigmaringen, Inhalt zur Zeit 72 Personen, davon zwei bekloppte Radfahrer und 70 schwäbische Grundschüler. Zur Zeit außerhalb des Hauses: 71 Personen, davon einer ruhig schreibend und der Rest laut krakeelend und schwäblend. Textkostprobe: „Julia, ich han Sand inner Hos, machn rauas!“ Noch Fragen? Hoffentlich wird die Nacht wenigstens ruhiger als in Heidelberg.

Aber der Reihe nach: Nach etwa 12 Stunden komatösen Schlafes und mit einem ausgiebigen Frühstück im Bauch, fuhren wir frohen Mutes in Nagold an, so gegen halb elf, wie so oft mit Sonnenschein, wie immer mit Rückenwind. Der richtige Weg war ebenfalls schnell gefunden, und nicht mal ein kurzer, kräftiger Anstieg um etwa 150 Höhenmeter konnte uns ernsthaft verlangsamen. Im nächsten Ort stand uns zudem ein hilfsbereiter Schwabe (!) mit Rat (!!) und Tat (!!!) unentgeltlich (????) zur Seite: Er wies uns nicht nur den korrekten Weg ins nächste Flußtal, sondern fuhr gleich ein gutes Stück mit seinem „New Beetle“ voran. Nach einer weiteren Neckar-Überquerung und einer erholsamen Fahrt entlang eines mit namentlich nicht bekannten Flusses machten wir dann in Bisingen Rast, so nach etwa 50 Kilometern und auf gut 550 Metern ü.d.M. An der Tankstelle entnahm ich der Tagespresse, das Michel Friedmann von sämtlichen öffentlichen Ämtern zurückgetreten ist und seine Solariumsvisage auch nicht mehr in seinen selbstdarstellerischen Talkshows zu sehen sein wird. Der Tag ging immer mehr in Richtung „perfect ten“!

Was dann folgte war schon nicht mehr so lustig, nämlich eine konstant über 10 Kilometer auf 855 Meter ansteigende Straße Richtung Albstadt. Nun muss fairerweise gesagt werden das diese Piste in mir schon merklich perversen Frohsinn und Vorfreude auf die Alpen hervorrief (ja, es ist unnormal!), der Schweiß lief auch gleich in Strömen. Bei Michi sah die Sache anders aus; er, der gestern beinahe gebetsmühlenartig den Satz „keine Berge mehr“ wiederholte, hatte recht schnell passablen Rückstand und verlor gute fünf Minuten auf dem Hang; allerdings hatte er gegen Ende auch mit leichten Knieproblemen zu kämpfen.

Einmal über den Scheitelpunkt hinweg (für Statistiker: höchster Punkt der Tour im deutschen Bereich) lief aber alles wieder besser; 

Die Burg Hohenzollern, Heimat so mancher Prügelknaben

zumal die Mittagspause am ALDI geschundenen Mägen und Knien Gelegenheit zur Erholung gab. Probleme bereitete dann nur noch die kuriose schwäbische Beschilderung nach Sigmaringen, die einen wahlweise auf Schotterpisten (wenn man den Fahrradschildern folgte) oder auf asphaltierte Achterbahnen schickte (wenn man den gelben Schildern folgte). Eine Kombination von beidem war wohl nicht im Angebot. Auch in Sigmaringen gab’s lange Gesichter: Gerade einen kapitalen Abhang hinuntergerauscht, fanden wir heraus, dass sich die Jugi genau auf der Spitze des benachbarten Hügels befand. Aber mit den letzten Resten aus der Trinkflasche bewältigten wir auch noch dieses Hindernis.

Auf der abendlichen Suche nach einer Futterquelle wird Michi beim Überqueren Gleisen noch fast von der Regionalbahn geplättet; scheinbar hatte er einen Hungerstreik für bessere Radwege auf den Bahnschwellen geplant. Ein dreimaliger, kräftiger Stoß ins Horn seitens des Lokführers bringt ihn aber doch noch zur Besinnung. Ironie des Schicksals: Noch heute nachmittag hatte er mir die rechtswidrige Benutzung einer Eisenbahnbrücke zwecks Erreichen einer geteerten Straße verboten, nun wird er fast selbst zum Opfer.

Zwei Putenschnitzel mit, na klar doch, Spätzle, wandern in die Mägen, danach wird die Stadt

Sigmaringen, Endstation der Etappe.

 erkundet und versucht, dem hier ansässigen Deppenprinzen (Alexander von Hohenzollern) einen Besuch abzustatten. Die Idee, sich als Bild-Reporter auszugeben, bleibt aber im Entwicklungsstadium stecken. Nach einer kurzen Runde durch den sehr netten Ortskern machen wir uns auf den Wiederaufstieg zur Jugi, wobei ein gehöriger Anteil der gerade geschaufelten Kohlehydrate wohl wieder verbraucht wird. Morgen gibt’s dann vorerst den letzten Rutsch zum Bodensee und danach, endlich: Zwei Tage Urlaub vom Urlaub!