| Stage 3 |
| Koblenz - Mainz |
| 103,63 Kilometer; 4:51:21 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)
Erster Eintrag:
...erfolgt in St. Goar, gegen 11 Uhr, wir sind
schon knapp zwei Stunden auf der Straße und alles läuft bestens. Was zur
Touristenhochburg St. Goar zu sagen ist hat Bernt schon vor zwei Jahren an
gleicher Stelle zum Besten gegeben. Sparen wir uns also hämische Bemerkungen zu
Holzschnitzerläden und „Cuckoo-Clock-Stores“ (kein Witz, steht hier
wirklich so an die Wand
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| ...vorbei an der Lorelei am Rhein... |
gepinselt!). Eins noch: Im Gegensatz zu damals hat es
sehr wenige Japaner und kaum Amerikaner. Lässt George „Dabbelju“ seine
Mannen nicht mehr ins erweiterte Reich des Bösen? Sind die Ferien gestrichen
und alle machen freiwillig Überstunden bei Lockheed und Boeing? Oder verbringt
man seine „Holidays“ lieber zu Hause in
irgendwelchen Wehrsportvereinen?
Fragen über Fragen,
sicher ist nur dass die Jugi Ehrensbreitstein als erstes Highlight der Tour
festgehalten werden muss: für knapp 20 Euro lecker Abendessen, schöne Übernachtung
und super Frühstücksbuffet (für die Statistikfreaks: Zwei Brötchen, ein
doppeltes Brot, Ei, Teller Müsli, Tee und Erdbeerquark). Folgerichtig ist auf
den bisher 38 Kilometern ordentlich Tempo gemacht worden, meistens von Michi,
ich halte mich klug im Windschatten. Zudem fühlt sich auch heute wieder ein gnädiger
Rückenwind für uns zuständig.
Rhetorische Frage: Warum
hupen mich Autofahrer auf der Gegenfahrbahn (!) an und versuchen, mich dadurch
von der Straße auf den arg holprigen Radweg zu drängen? Wer sind diese Leute?
Die hiesigen CDU-Abgeordneten? Und glauben die ernsthaft mit ein bisschen Gehupe
bekommen die uns auf ihre Fahrrad-Schotterpisten? No way!
Zweiter Eintrag:
Nach etwas über 100 Kilometern liegen wir wieder im Bett, diesmal im IBIS-Hotel in Mainz. Es ist 18:10 Uhr, Michi knackt eine
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| Bingen am Rhein, schön bei Sonnenschein... |
Bettritze weiter, im Fernsehen erzählt Sarah
Connor wie toll ihr Leben so ist. Eine im besten Sinne ruhige und angenehme
Etappe hat ihr Ende gefunden.
Wenn es noch eine Beweis
dafür bedurfte dass gute Taten zwangsläufig Belohnung nach sich ziehen, so
wurde dieser heute erbracht: Nachdem ich meiner Mutter per Handy zum Geburtstag
gratuliert hatte, dauerte es noch knapp eine Stunde, da riß die bisher
geschlossene Wolkendecke auf und tauchte das Rheintal in gleißenden
Sonnenschein. Nacheinander flogen Ärmlinge, Windstopper und Trikot in die
Packtaschen, später konnte dann sogar bei 33 Grad ganz „oben ohne“ gefahren
werden. ES KAM FAST SCHON URLAUBSSTIMMUNG AUF! Im mir bereits bekannten Bingen
tankten wir just an derselben Tankstelle auf,
an der Bernt seinerzeit den geistigen Aussetzer mit der Wasserflasche hatte.
Danach verließen wir das mir bekannte Terrain und ließen das berüchtigte
rheinische Bergland rechts liegen.
Fast schlagartig hatte es
auch mit dem schluchtartigen, bewaldeten Rheintal ein Ende. Die Berge machten
Platz für „Deutschlands größten Obstgarten“ (Zitat Michi): Apfel- und
Kirschbäume soweit das Auge reichte. Fünf Kilometer hinter Bingen machten wir
eine zweite größere Pause direkt am Rhein. Wir hatten zum Glück schon
gegessen als ein mit Tigerslipbadehose und gut 35 Kilo Übergewicht
ausgestatteter Freizeitkapitän mit seinem Motorboot an uns vorbeidefilierte. Er
steuerte den „Hafen“ an (= Anlegestelle am Bierpavillon des Campingplatzes),
unnötig zu sagen, dass mir in diesem Zusammenhang direkt diverse
Negativbeispiele zum Campen in Frankreich einfielen. Scheinbar sind wir in
Germany auch nicht besser: Über den Beruf des Skippers kann zwar spekuliert
werden, ich möchte aber wetten, dass er seine „Jacht“ sofort gegen einen
tiefergelegten, goldenen Mercedes tauschen würde.
Die Einfahrt nach Mainz
gestaltete sich unspektakulär, durchs übliche Industriegebiet hindurch
ging’s als erstes zu McD, Kalorien tanken. Bemerkenswert hier die
Guerillataktiken der Dreikäshochs: Ein Junge rutscht im Kinderparadies mit den
Füßen voran die Rutsche hinab und fährt am Ende seiner Schwester mit
Schmackes in die Wirbelsäule (mit voller Absicht, natürlich!), worauf die
Kleine prompt eine improvisierte Rolle vorwärts macht. Kommentar des Übeltäters,
als er das heulende Balg zu den Erziehungsberechtigten zurückschleift: „Die
hat mal wieder nicht aufgepasst!“ Die Jugend von heute...aber jetzt ist erst
mal relaxen angesagt, ganz ohne Kickboxen.