Stage 2
Voiswinkel - Koblenz
114,77 Kilometer; 5:35:55 Stunden 

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Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)

Erster Eintrag:

Nach einer kurzen Nacht auf einer noch viel kürzeren Luftmatratze sind wir heute morgen ohne größere Zwischenfälle aus dem Quirlschen Heimatland losgeradelt. Nun stehen schon 70 Kilometer zu Buche, und wir sitzen mal wieder an den Überresten der Brücke von Remagen.

Diese Deja-Vu-Erlebnisse verfolgen mich ohnehin schon den ganzen Tag – ein Fehler in der Matrix? Jedenfalls erinnerten mich Bonn, der Drachenfels und jetzt eben Remagen sehr an die 2001er-Tour nach Barcelona. Bernt fehlt halt sehr, aber Michi hat sich bislang als vollwertiger Ersatzmann erwiesen – er fährt Rennrad als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Noch ein Deja-vu – die Abfahrt im (fast schon traditionellen) Regenguss. Heute morgen schüttete es mal wieder wie aus Kübeln, insgesamt hat sich der Tag (bei dunklen Wolken) weitgehend trocken präsentiert. Zudem schiebt ein angenehmer Rückenwind.

Koblenz wird wohl kein Problem werden, wir fühlen uns fit (Michi bestätigt gerade) und die Räder laufen tadellos – das Rennrad sieht aber mittlerweile durch zahlreiche Matschspritzer bald wirklich wie eine

Deutsches Eck in Koblenz.

 Tigerente aus, nein, eher wie ein Leopard. Erste mentale Aufmunterungen gab es übrigens schon am morgen, als Michis Mutter und für etwaige Notfälle finanzielle Hilfen zusagte. Vor dem Drachenfels machte dann ein beleibter Familienvater große Augen, als er vom Ziel Bodensee erfuhr (und von der Schweiz haben wir noch gar nix erzählt!) Später dann, als wir am Wegesrand über die Route diskutierten, halfen uns ungefragt zwei ältere, dickliche Herrschaften mit einer ausführlichen Beschreibung des weiteren Weges: „Gut gepflastert, nachher kommt noch ne Steigung, aber wie ihr ausseht schafft ihr die auch!“ Man dankte für die zweiminütige Beschreibung, auch wenn sie nur für die nächsten 500 Meter galt; ab da ging es nämlich eh auf die Bundesstraße.

Zweiter Eintrag:

22:40 Uhr, in der Festung Ehrenbreitstein untergebracht, liegt Michi schon wohlverpackt im Bett. Er schläft noch nicht, aber viel fehlt nicht – die lange Startetappe hat ihren Tribut gefordert. Trotzdem eine saubere Start-Ziel-Leistung heute, vor allen Dingen wenn man bedenkt, dass wir ohne größere Pausen durchgeheizt sind. Ansonsten gibt es wenig zu berichten, am spaßigsten war noch ein kurzbehoster Mittfünfziger, den ich nach dem Weg gefragt hatte: „Kommen sie erst mal von der Straße runter!“ – Ordnung muss sein, wir sind hier schließlich in Rheinland-Pfalz! Zum Schluss gab’s dann noch mal dicke Backen und rote Köpfe, die Festung glänzt mit einem mächtigen Schlussanstieg von knapp 100 Höhenmetern, hier hätte auch Armstrong seinen Spaß gehabt! Ich musste nach der Hälfte passen, als das Gepäck anfing mich wieder rheinwärts zu ziehen. Schock dann beim Einchecken: Der Schlüssel ist weg! Lag dann strategisch günstig platziert an der Rezeption – anscheinend habe ich von Bernt nicht nur den Biss am Berg, sondern auch die Vergeßlichkeit geerbt.

In dem „geschlechtlich getrennten Mehrbettzimmer“ (stand so in der Buchungsbestätigung – warum eigentlich? Kloster hier oder

Michael unterwegs, erste Radtour...

was?) nächtigen außer uns noch zwei Bombenbastler aus dem nahen Osten, ein Typ der uns aufforderte sein Handy zu bewachen während er pinkeln ging (es handelte sich um ein ca. vier Jahre altes Siemens-Modell in handlichem Brikettformat) sowie ein Faustballtrainer, der aus naheliegenden Gründen nicht bei seiner (aus 13-15 Jahre alten Mädels bestehenden) Mannschaft pennen kann. Belgien droht halt überall.

Sportlich hat sich der Tag als enorm wertvoll erwiesen, sogar die Prognose von 111 Kilometern hat sich fast haargenau erfüllt. Der schnelle Tod des Frankschen Fehlerquotienten! Und die Aussicht aufs deutsche Eck schlägt alles – obwohl wir nur gute zwei Autostunden von zu Hause weg sind tritt bereits vollstes Urlaubsfeeling ein. Morgen geht’s dann zeitig auf die Räder, um neun Uhr müssen die Zimmer geräumt werden (inkl. Früstück!). Auch für übermüdete Radler wird da kein Pardon gegeben. Achja, ein Schachspiel gab’s auch noch, in Anbetracht des raschen und völlig uneigennützigen Abschenkens von Figuren seitens Mr. Quirl halte ich es aber für sinnlos hier eine eigene Statistik dafür zu eröffnen.

So, genug jetzt, der nächtliche Blick über Koblenz wird jetzt noch gewürdigt, und dann ab ins Bett!

P.S. Nachtrag: Heute sichteten wir mehrere Frauengruppen auf Rädern, denen in weitem Abstand männliche Radfahrer folgten (oder umgekehrt). Es spricht aber für Ersteres, dass die Frauen keine roten Köpfe hatten und sich auch nicht beschwerten, dass „da vorne viel zu viel Tempo gemacht wird!“ Sind Frauen doch die besseren Radfahrer? Das gilt es weiter zu beobachten.

 

Koblenz Bus der Toten Hosen unterwegs...
Frank unterwegs bei Regen in Köln. ...am Drachenfels...