| Stage 14 |
| Thusis - Arosa |
| 73,59 Kilometer; 04:23:07 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)
Erster Eintrag:
Zum Abschluss der
Abschuss! Diese Zeilen schreibe ich eng an ein Garagentor gekuschelt unter einem
Vordach, während einen Meter vor mir Weltuntergang gespielt wird. Donner,
Blitze (praktisch gleichzeitig) und Platzregen vom Feinsten. Immerhin habe ich
den Lenzerheidepass gefahrlos verfrühstückt, so dass ich jetzt nur noch die
Abfahrt nach Chur vor mir habe. Der angestrebte 1.200hm-Anstieg nach Arosa wird
bei diesen Verhältnissen wohl ersatzlos gestrichen, ein bißchen Regen ginge ja
noch an, im Moment sieht’s aber schwer nach den Vorbereitungen für eine
zweite Sintflut aus.
So, gerade mal kurze
Unterbrechung, der Garagenbesitzer fährt gerade vor und will natürlich seinen
Daimler ins Trockene bringen. Nach einem kurzen Gespräch übers Wetter und die
bisher vorherrschende Dünge (Daimlerfahrer mit Blick auf die Sturzbäche, die
die Straße hinunterrasen: „Tropfen auf den heißen Stein“) läßt er sogar
seine Garage für mich offen! Den Rest der Regenzeit verbringe ich somit trocken
und windgeschützt, es scheint auch schon wieder heller zu werden.
Zweiter Eintrag:
Arosa! Oho! Aaaarosa,
ohohoho! Frei nach dem Motto „was kümmert mich mein Geschreibsel von eben“
habe ich letzten Endes doch noch die Bonus-Bergankunft durchgezogen. Drei Dinge
waren entscheidend: Auf der Abfahrt nach Chur kam wieder die Sonne hervor, in
Chur selbst war es gerade mal 13:15 Uhr und ich entdeckte noch ein Paar trockene
Socken in meinem Gepäck. Gerade noch lustlos auf dem Bock, war die Motivation
sprunghaft wieder da! So früh konnte ich ja wohl schlecht ins nächste Hotel
schleichen...alos auf ging’s!
Das Wetter hielt sich
auch zunächst, Sonnenschein allüberall, die 30°Grad-Marke wurde schnell
wieder übersprungen. So kam ich auf den ersten Kilometern hinter Chur auch
gleich wieder gut ans Schwitzen, es ging auch gleich gut bergan. 1.200hm sollten
sich auf 30 Kilometer verteilen, nach den ersten zehn war ich aber bereits um
knapp 500hm aufgestiegen. Die Straße verflachte dann auch folgerichtig,
teilweise konnte ich mit 20 km/h gemütlich vorwärts kommen. Hinter Langenwies
befand ich mich dann schon auf 1.400 Metern, bei noch acht Kilometern Strecke
voraus und ausstehenden 350hm.
Alles schien wunderbar,
doch auf einmal wendete sich das Blatt radikal: Zunächst raubte mir eine
Abfahrt wertvolle und hart erstrampelte 60hm. Rein rechnerisch stieg damit der
verbleibende Höhenunterschied wieder auf gut 300hm, und das bei noch
verbleibenden vier Kilometern! Bevor ich noch die Durchschnittssteigung
berechnet hatte raubten mir erneut brutale Kehren die Luft, teilweise waren
sicherlich 12% zu bewältigen. Die Beine brannten, immer öfter musste ich
pausieren: Die Akkus waren endgültig leer. Zu allem Üble fiel auch noch die
Temperatur in bekannter Weise auf 17°Grad ab, ich als Kenner wusste schon was
jetzt kommen würde: Gewitter! Zwei (!) Kilometer vor dem Ziel und natürlich
mitten im Wald waren Petrus‘ Abfangjäger dann da und tauchten mich in einen
Wirbel aus Gischt und dicken Tropfen. Zunächst versuchte ich noch unter den
dickeren Bäumen Schutz zu finden, merkte aber bald, dass hier nur die Flucht
nach vorne helfen würde. Also rauf aufs Velo, ab in den dunkelroten Bereich und
im Wiegetritt dem Ziel entgegen. Und irgendeine gute Seele hatte mit Bekloppten
wie mir gerechnet und vor dem Ort ein Schild platziert: „Noch sechs Kurven bis
Arosa!“ Der Typ möge sich bitte bei mir melden, er hat sich ein leckeres Kölsch
verdient!
Dergestalt motiviert gab
ich noch mal ordentlich Schub, sechs Kurven, pah, das schaffmer auch noch! Und
plötzlich wurde auch die Straße flacher, Ortsschild und Häuser tauchten auf,
mit klatschnassen Schuhen überquere ich die imaginäre Ziellinie und rolle aus
bis zur Herberge. Dort dann das übliche: Nasse Klamotten weg, heiße Dusche und
ab in den Fernsehraum, Tour kucken! Das für mich die eigentliche Tour mit dem
heutigen Tag zu Ende gegangen ist realisiere ich noch gar nicht so richtig,
immerhin muss morgen ja noch die Abfahrt nach Chur gelingen, hoffentlich bei
trockenem Wetter. Jetzt hoffe ich aber erst mal auf ein kräftiges Abendessen!