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Stage 7 | ![]() |
| Sellajoch - Brixen | ||
| 106,47 Kilometer; 04:51:14 Stunden | ||
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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke (berntpv@gmx.de)
Vollkommen
platt und dank einer im nahen Sparmarkt relativ günstig vollgestopften
Plastiktüte pappsatt liege ich hier nieder und lausche dem ARD Brennpunkt
zur bis dato unentschiedenen Wahl des Bundespräsidenten, bei dem
„unsere“ Wahlfrauen und –männer gerade im dritten Wahlgang beim
Buchstaben „L“ angekommen scheinen. Frank liegt ähnlich matt in
seinem 4-Sterne-Bett unserer heutigen Unterkunft, dem Best Western „Grüner
Baum“ direkt am Zentrum Brixens.
Zuerst wollte Frank mich noch überzeugen,
dass wir ja doch etwas Mühe in die Suche unserer Übernachtung gesteckt hätten
– schlussendlich stimmte er mir jedoch zu, dass wir nicht wirklich
ambitioniert zu Werke gingen und relativ fix die Gabel ins Korn warfen –
nämlich genau, nachdem wir etwas über Brixen in einer Pension „Schönblick“
nach einem Zimmer gefragt hatten, dort alles voll war und man Frank riet,
es doch einmal beim Grünen Baum zu versuchen.
wichtig ist, möglichst viele Zimmer zu verkaufen.
Alternativen waren zwar überall in ausreichender Anzahl beschildert, aber
radelte man ein wenig in diese oder jene Richtung, erhielt man von netten
Mitmenschen prompt die Auskunft, dass das soeben noch beschilderte Hotel
noch ein bis zwei Kilometer entfernt sei – meistens steil den nächstbesten
Berg hinauf. Und auf das weitere Abklappern unzähliger Läden, die nicht
ohne Grund Namen wie „Schönblick“ trugen, hatten wir nicht wirklich
Lust.
miesen Abschneiden in Südafrika
erst einmal für zwei Jahre von internationalen Wettbewerben ausschloss.
Eine fantastische Idee, mit der sicherlich der Weg zu einem fulminanten
Wiedereintritt in die Welt des internationalen Wettkampfs geebnet sein dürfte.
Ich dachte, auf solch interessante Ideen würde nur noch Nordkorea kommen,
aber die Welt ist wohl schon noch einen Deut verrückter, als man
allgemein annimmt.
liegt, hier stimme ich Frank sofort zu, dass man
sich an Szenerie und Wetter einfach etwas satt gesehen hat – genauso wie
am hypothetischen Pizzabuffet: Der erste Gang ist der reinste Traum, die
Vorfreude weicht der tatsächlichen Freude, man kann es kaum abwarten, die
Beißer in die fettigungesunde Beköstigung zu versenken, beim zweiten bis
vierten Gang genießt man mit abflachendem kulinarischen Grenznutzen, was
man zuerst nur verschlang und schließlich sinkt die Motivation ganz
rapide ab, noch ein fünftes oder gar sechstes Mal zum Buffet zu
schreiten, auch wenn dort endlich einmal eine schmackhaft duftende
Barbequepizza ausliegt, für deren Stücke man zuvor keine Minute
brauchte, um sie gierigen Blickes in den leeren Magen zu schaufeln. Schön
(anstrengend) ist die Tour immer noch, aber das wir jetzt noch zwei echte
Bergtage vor uns haben und dann im Schlussspurt nach Innsbruck den Sack
2010 zumachen, ist so auch okay. Vorsichtig gesagt darf die Tour auch gar
nicht viel länger dauern, denn unsere aktuellen Übernachtungsgewohnheiten
– gestern 58 Euro und heute 47.50 – sind auch nicht von schlechten
Eltern, ganz egal, wie viel man das ganze Jahr über gearbeitet haben mag.
Die finanzielle Last wird zumindest für mich auch noch dadurch
problematisiert, dass ich rund drei Tage nach meiner Heimkehr von dieser
Tour mit Imke nach Norwegen aufbrachen werde, wo es, sofern stimmt, was
alle sagen, schon fast zwanzig Euro kosten soll, einem Norwegen im
Restaurant beim Essen zuzusehen. Will man dann gar nachts statt des Zeltes
auch einmal eine Hütte mieten, so müsste die zuvor für dieses Tagebuch
fiktiv erfundene Schneiderin meines Icebreaker-Shirts dafür bestimmt eine
ganze Weide voller Merinoschaafe in Hemden verwandeln und ihrem Macker die
Ketten anlegen. Und wenn dann mal nicht erst Recht der Barcode verwechselt
wird…
Sehr empfehlenswert ist übrigens der Radweg im Eisacktal, den wir heute nach der letzten Abfahrt des Tages vom Rosengarten hinab bis nach Brixen unter unsere Räder brachten. Über weite Strecken wurden alte Bahntrassen zum Radweg umfunktioniert und klasse asphaltiert, so dass man es vollkommen ungestört durchs vom Verkehr arg strapazierte Tal rollen lassen konnte. Dass die Luft im Tal weit jenseits der dreißig Grad im Schatten nur so stand konnte der Radweg, der uns auch immer wieder durch alte Bahntunnel führte, natürlich auch nicht ändern. Interessanterweise war es sogar so stickig heiß, dass man sich mit dem moderaten Fahrtwind auf dem Rad wesentlich frischer als am Wegesrand im Schatten fühlte, was in ungefähr dem Besuch einer Biosauna gleichkam. Man riss Trikot und Helm vom Körper, ölte wie bekloppt und gewann mehr und mehr den Eindruck, dass nach 85 Kilometern doch noch nicht Schluss sein würde.
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