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Wichtig: Die nächste Ausgabe von 2+2+10 erscheint am kommenden Mittwoch bzw. Donnerstag!

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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11.04.2002
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

Wieder einmal eine total verbiffte ( versaute ) Saison haben die New York Rangers ( fast ) hinter sich und mich freut das unheimlich. Wie schön war es doch am Montag morgen zu lesen, daß die Montreal Canadiens ihnen den Todesstoß versetzt haben, was eine mögliche Playoff Qualifikation anbelangt. Während dort der Kapitän Saku Koivu endlich wieder an Board ist, freut man sich in der DEL auf ein Finale zwischen Mannheim und Köln.

1.Drittel: Naja, ehrlich gesagt hätte ich mich wesentlich mehr über ein Finale Krefeld gegen Nürnberg gefreut, in dem die Ice Tigers die Meisterschaft dann im vierten Spiel in eigener Halle gewonnen hätten, aber das kann man halt nicht ändern.

Die Mannheimer haben es nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen die Eisbären einmal mehr souverän ins Finale geschafft und das Überraschungsteam aus Köln wird der Gegner sein. Ausgerechnet vielleicht die größte Enttäuschung in der regulären Saison spielt im Finale ! Wer hätte das gedacht ? Außer bei den Fans der Haie rechnet man sicher überall damit, daß die Adler wieder den Titel holen und das völlig zu recht, aber auch diesmal haben die Kölner wieder eine Chance. Mike Rosati könnte vielleicht der Schlüssel zum Erfolg sein, denn der war das ein oder andere Mal gegen die Huskies doch sehr unsicher.

Grundsätzlich wird es natürlich sehr schwer, gerade in Mannheim ein Spiel zu gewinnen, aber in München ist das den Kölnern schließlich sogar zweimal gelungen. Sicher haben da die Barons einen gehörigen Anteil dran gehabt, aber gewonnen ist gewonnen. Was wirklich auffällig war, ist die Tatsache, daß es scheinbar in den Playoffs einigen Teams durchaus leichter fällt, auswärts zu spielen. Als die Kölner, eigentlich ohne wirklich den geringsten Grund zu haben sich selbst zu sehr unter Druck zu setzen, mit einer 2:1 Führung zum vierten Spiel nach Hause zurückkamen, haben sie genauso dumm gespielt, wie fast immer vor eigener Kulisse gegen München. Hatte Rich Chernomaz die alten Anweisungen von Nethery rausgeholt ? Auf denen stand doch immer: Rennt blind gegen die Barons an, schießt unplatziert, laßt Euch auskontern und riskiert noch ein paar dumme Strafen, oder ?

Was mich an der Serie München gegen Köln wirklich geärgert hat, ist diese völlig dumme und unnötige Verlängerungsregel. Warum gibt es nach 20 Minuten Verlängerung plötzlich Penaltyschießen ? Das macht in den Playoffs überhaupt keinen Sinn. Warum orientiert man sich nicht an der NHL und spielt solange, bis das erste Tor fällt und wenn es bis zum Start der neuen Saison dauert ? An ein Spiel, das irgendwann in der vierten Verlängerung um 1.54 Uhr zu ende geht, wird sich jeder Zuschauer noch lange, vielleicht sein ganzes Leben erinnern. Ich war zwar beim Stanleycup Finale 1999 nicht vor Ort, weiß aber noch ganz genau, daß in Deutschland schon längst wieder die Sonne schien, als Brett Hull für die Dallas Stars gegen die Buffalo Sabres das entscheidende Tor machte. Das war selbst vor dem Fernseher ein tolles Erlebnis.

2. Drittel: Was mich nachdenklich gemacht hat, waren die Geschichten über den Motivationstrainer, den die Haie haben. Die einen sind dafür, die anderen dagegen. Ich bin der Meinung, daß ein gutbezahlter Spieler von alleine motiviert sein muß. Auf der anderen Seite kann es aber auch nicht schaden, selbst wenn die Spieler sich über ihn nur totlachen, hebt das immerhin die Stimmung innerhalb des Teams.

Ich stelle mir das aber sehr witzig vor, wenn der gute Mann am ersten Arbeitstag von Hans Zach noch in Köln ist. Zach hält zuerst in etwa folgende Rede: "Ich möchte eine Mannschaft mit vielen deutschen Spielern aufbauen, die kämpfen, kameradschaftlich miteinander umgehen, sich an meine Taktik halten und kämpfen. Unsere Chancen Meister zu werden stehen in der ersten Saison zwar nur bei 1:99, weil die bösen Mannheimer und Nürnberger alle Ausländerlizenzen super genutzt haben, aber das soll uns nicht davon abhalten zu kämpfen!!!" Dann wendet sich der Motivationstrainer den Spielern zu und sagt: "Ich müßt immer schön positiv denken, den Tag mit einem Lächeln beginnen und Euch freuen, daß ihr gesund seid. Das wichtigste im..." Dann ist er arbeitslos.

Wahrscheinlich ist es vorerst das letzte Mal, daß ich über die Rangers lästern kann, weil man wohl erst in einigen Monaten wieder etwas Interessantes von ihnen hören wird. Deshalb werde ich diese Möglichkeit jetzt genießen: Ihr seid so lächerlich ! 5 Jahre ohne Playoffs und dabei wohl mehr Geld ausgegeben, als jedes andere Team der Liga. Bevor Ihr Euch alle mit goldenen Golfschlägern auf den Weg macht, um die Freizeit zu genießen, hier ein Tipp: Schämt Euch mal ein bißchen und fangt endlich an zu denken. Vielleicht fragt Ihr mal bei den Senators nach, wie man eine gute Mannschaft aufbaut.

Aber ich muß die Rangers auch mal kurz ein bißchen loben. Immerhin haben sie zwischendurch fünf Spiele in Folge gewonnen, als die Playoff Teilnahme schon in weite Ferne gerückt war. Als überzeugender Rückhalt zeigte sich dabei der junge Dan Blackburn, dem vielleicht sogar als Nr.1 die Zukunft in New York gehört ( so das reicht ! ), wenn Mike Richter endlich aufhört. Ein herzlicher Glückwunsch geht an die Washington Capitals, die sich ja selbst vor der Saison so ein bißchen als Mitfavorit auf den Stanleycup gesehen haben und ebenfalls nicht in den Playoffs sind.

3.Drittel: Nun wieder zu ernsteren Dingen. In der Western Conference nimmt das Zittern kein Ende, Entscheidungen lassen auf sich warten und in der ganzen Liga ist ein paar Tage vor Ende der Hauptrunde noch keine Playoff Paarung perfekt. Sehr sicher ist nur die der Boston Bruins gegen die Montreal Canadiens und das Team um Thornton, Guerin und Samsonov könnte sich am Ende noch richtig ärgern, daß sie nicht hinter den Flyers Platz zwei im Osten belegten. Im Sturm haben sie zwar momentan mehr Talent und Torinstinkt als jedes andere Team der Liga, aber dafür müssen sie gegen eine Mannschaft antreten, die mit Jose Theodore einen Wahnsinnsgoalie hat, die sieben Spielen in Folge gewinnen konnte und die ihren Kapitän wieder hat. Nur etwas mehr als sieben Monate, nachdem Saku Koivu von seiner Krebserkrankung erfahren hatte, feierte er am Dienstag das Comeback des Jahres. 8 Minuten Standing Ovations und 60 Minuten Eishockey später waren die Canadiens endlich wieder in den Playoffs und einer der sympathischten Spieler der Liga durfte als Beteiligter und nicht nur als Zuschauer Interviews geben. Auch wenn man hierzulande leider nicht die Möglichkeit hatte, die Begegnung zu sehen, kann man aus vielen Berichten erahnen, wie emotional die Stimmung im Molson Centre gewesen sein muß.

Die größte Enttäuschung für mich persönlich sind in dieser Saison insgesamt die Dallas Stars. Bei den Rangers ist Versagen ja schon zu so etwas wie ein Markenzeichen geworden, aber in Texas hat man sich vor der Saison berechtigte Hoffnungen gemacht, wieder mit um den Cup spielen. Namhafte Leute wie Pierre Turgeon und Donald Audette wurden geholt, aber am Ende paßte dort irgendwie nichts zusammen und man wird, so wie es momentan aussieht, die Playoffs sehr sicher verpassen.

Tja, zum Schluß noch zu einem wahren Held: Tomislav Piplica, man muß ihn einfach mögen.

Wie der Keeper von Energie Cottbus beim Heimspiel gegen Mönchengladbach dieses brillante Kopfballtor erzielte, war unbeschreiblich. Im Regelbuch ist halt nicht fest verankert, daß ein Tor auch zählt, wenn der Keeper leicht in die Hocke geht, doof nach oben guckt und den Ball von seinem Kopf über die Torlinie rollen läßt. Sicherlich hätte man davon ausgehen können, daß der Schiedsrichter zur Mittellinie zeigt, das wußte der gute Mann wohl nicht.

Vielleicht hat er auch nur ´ne Wette abgeschlossen oder ist prinzipiell gegen Selbstmord, möchte aber trotzdem sterben ? Wenn man als Ausländer in Cottbus öfter solche Aktionen bringt, werden dafür früher oder später vielleicht einige Leute sorgen. Schlußsirene.

Absolute Spitze: Montreal Canadiens, Saku Koivu, Jose Theodore, New York Islanders, Adler Mannheim, Dan Blackburn, Sean Burke, Jarome Iginla, Tomislav Piplica.

Schlechte Witze: München Barons, Dallas Stars, Washington Capitals, und natürlich, wie immer, die New York Rangers, Tomislav Piplica.

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com